Was uns im Sommer direkt ins Auge sticht, ist jetzt wieder aus unserem Blickfeld verschwunden. Wovon ich spreche? Tattoos.
Der Sommer ist vorüber. Die T-Shirts sind unter dicken Pullovern verschwunden, kurze Hosen wurden gegen lange eingetauscht. Der Bikini und die Badehose sind zurück in den Kleiderschrank gewandert.
Was uns im Sommer direkt ins Auge sticht, ist jetzt wieder aus unserem Blickfeld verschwunden. Wovon ich spreche? Tattoos.
Ich habe zwar noch keine Statistik dazu gelesen, aber nach meiner persönlichen Einschätzung scheint mittlerweile jede*n dritte*n ein Tattoo zu zieren. Mal ist es klein und unauffällig am Fußknöchel oder auf dem Schulterblatt platziert, oder aber großflächig angelegt über Arme, Beine und Rücken. Gefällt mir eigentlich, was ich da sehe? Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Und deswegen enthalte ich mich an dieser Stelle. Aber eines kann ich sagen: Tattoos bringen mich zum Nachdenken. In unserer Zeit, die als schnelllebig und unverbindlich beschrieben wird, setzt diese Form des Körperkults ein Zeichen. Und zwar ein Zeichen gegen Sprunghaftigkeit und fehlende Ausdauer. Mit den Jahren können Tattoos zwar verblassen oder aus der Form geraten, aber einmal gestochen bleiben sie einem doch ein Leben lang erhalten. Für die einen ist diese Form der Körperbemalung einfach nur ein weiteres Schmuckstück. Es geht ihnen um Schönheit. Andere dagegen wollen mit ihren Tattoos eine Art Bekenntnis ablegen. Ein Phönix aus der Asche, das Konterfei Jesu, ein Bandsymbol oder der Name des Liebsten oder der eigenen Kinder.
Ich selbst habe noch nie ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, mir ein Tattoo stechen zu lassen, schon allein, weil ich die Schmerzen scheue. Aber sollte es doch einmal soweit kommen, würde ich mir weder ein Bild noch irgendwelche Schriftzeichen stechen lassen. Sondern lediglich drei Worte: Ich bin getauft. Im Sinne einer Art Selbstvergewisserung. Denn, wenn es mir manchmal an etwas fehlt, dann sind es deutliche Zeichen der Zugehörigkeit. Damit meine ich mehr als ein Kreuz, das ich mir an einer Kette um den Hals hängen kann. Denn diese kann ich tragen, wann und wie es mir beliebt. Meine Zugehörigkeit zu Christus wird durch die Taufe augenscheinlich und offiziell. Das Taufwasser aber hinterlässt keine äußeren Spuren. Sowie es getrocknet ist, verschwindet es. Dabei währt eine Taufe doch ein Leben lang und noch darüber hinaus.
Nicht nur ich, die meisten Menschen brauchen sichtbare Zeichen und bei all der Rastlosigkeit und Unruhe sehnen wir uns nach etwas, das bleibt, das zu uns gehört, das uns auszeichnet und nicht von uns zu trennen ist. Natürlich hat der christliche Glauben in all den Jahren viele sichtbare Zeichen hervorgebracht, wenn gleich vergänglich. Das einzige was uns bleibt, ist das Wort – vielleicht auch als Tattoo auf der eigenen Haut:
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ (Joh 1,1.14a)