„Bild“ weiß es: „Dieses Jahr findet Ostern nicht statt.“ Die Bundeskanzlerin ist da moderater: Ostern, „wie wir es gewohnt seien“, werde es dieses Jahr nicht geben. Aber Ostern ist nie, was wir und andere gewohnt sind. Es ist immer das Neue, Unaussprechliche, Undenkbare: Gott hat den am Kreuz getöteten Jesus zu neuem Leben erweckt.
In der Passionszeit ist der Karsamstag für mich ein ganz besonderer Tag. Er ist der Tag „dazwischen“. Er trägt die Spuren des Karfreitags noch an sich, aber der Schmerz der Kreuzigung und des Todes ist einer verhaltenen Trauer gewichen, einer seltsamen Ruhe. Doch diese Stille ist erfüllt. Da kündigt sich etwas an, wie Wein im Fass reift, wie es unter der Haut, die die Knospen schützt, schwillt und knistert. Da zerrt etwas an den Gittern, die uns umgeben, da pocht etwas immer heftiger an die Welt. Alte Traditionen haben den Karsamstag mit dem Abtauchen Jesu in das Totenreich, verbunden. „Niedergefahren zur Hölle“ hieß es in alten Katechismen noch. Ein schreckliches Wort. Aber es heißt: In Jesus begibt sich Gott in die Höllen der Welt, in die Hölle der Flüchtlingslager, in das niederdrückende Dunkel einer Depression, in die Kälte der Einsamkeit. Er begibt sich in das Unwegsame in unserer Welt und lässt selbst die Toten nicht im Stich. Seit Karsamstag gibt es keinen gottfreien Raum mehr, keinen Raum, den er nicht betreten und mit den Menschen und Geschöpfen teilen will. Der Karsamstag mündet in die Osternacht, in das schwer Fassbare und Wunderbare: Christ ist erstanden!
Und seine Auferstehung ist keine Wiederbelebung, keine Rückkehr zum Gewohnten- nicht für Jesus und nicht für seine Jüngerinnen und Jünger. „Siehe, es ist alles neu geworden,“ Ostern ist trotz aller lieb gewonnen Bräuche, die es begleiten, nie das Gewohnte und Einschätzbare. Es ist die Ankündigung eines großen Wandels.
„Wann kann ich endlich wieder einen Gottesdienst besuchen?“, „Wann darf meine Tochter wieder zu mir?“, „Wann kann ich endlich wieder einmal in einer Buchhandlung stöbern?“, „Wann kann ich endlich wieder zur Arbeit gehen und meinen Lebensunterhalt verdienen?“ Viele sehnen sich jetzt nach dem Vertrauten, Gewohnten, Geliebten zurück, das dem Leben Sicherheit und etwas Glanz gab. Wir alle hoffen auf bessere Zeiten. Aber Gott kann uns auch im Ungewohnten begegnen, er ist der, der uns immer voraus ist. Christus ist auferstanden: es gibt keine gottfernen Räume und Zeiten mehr. Siehe, es wir alles neu werden.