Gedanken zum Erntedankfest

- 02.10.2020 - 

Monika Lehmann-Etzelmüller

Wir lernen: es ist nicht Freude, die uns dankbar macht. Es ist die Dankbarkeit, die uns fröhlich macht.
 
Wenn ich dankbar bin, werde ich glücklicher. Ich muss nicht darauf warten, dass ich rundum glücklich bin, um dankbar sein zu können. Dankbarkeit ist eine Schule, ich kann sie lernen und üben.
 
Das gilt für das Erntedankfest, das wir feiern. Wir sind dankbar für das, was Feld und Obstbaum, Garten und Weinberg uns schenken. Dabei wird in diesem Jahr die Dankbarkeit uns auch aufmerksam sein lassen für alles, was Erde und Regen, Apfelbaum und Weinstock bedroht. Im dritten Jahr in Folge erleben wir Dürre. Viele Bauern fragen sich bang, wie es weitergehen wird, mit ihren Feldern, ihren Bäumen, ihren Tieren, ihrem Betrieb, mit ihnen.
 
Wir feiern Erntedank in Coronazeit. Auch Corona zeigt, es muss sich etwas ändern. Denn der Ursprung der Krankheit hat damit zu tun, dass Menschen immer tiefer in den Lebensraum anderer Geschöpfe eingreifen. Es hat zu tun mit der Maßlosigkeit, mit der wir allen Raum für uns beanspruchen.
Die Dankbarkeit ist ein Motor des Handelns. Wer dankbar ist, der setzt sich ein und tut, was er kann, um das Anvertraute zu beschützen und zu hüten. 
 
Dankbarkeit ist eine Schule. In der Schule der Dankbarkeit gibt es eine einfache Übung. Sie geht so: Jeden Tag überlege ich mir drei Gründe, warum ich dankbar bin. Ich kann sie aufschreiben. Ich kann ein Gebet aus ihnen machen. Es gibt Tage, da ist das ganz leicht. Es gibt Tage, da ist es schwer. Aber ich werde immer drei Gründe finden. Was werden Sie schreiben. Danke für das Kind, das mir so sehr am Herzen liegt, für das ich mir wünsche, dass eine intakte Umwelt bleibt? Danke für meinen Beruf, für meine Aufgabe? Sie braucht manchmal all meine Kraft und Geduld, aber ich bin richtig in ihr. 
Danke, dass wir gesund geblieben sind? Danke für den Nachbarn, der so hilfsbereit ist? Danke für den Spaziergang, die frische Luft, das Lied?
 
Ich wünsche Ihnen, dass Sie jeden Tag drei Gründe finden, warum Sie  Danke sagen. Drei Gründe, warum es Freude macht, den Acker des Tages zu bestellen.
 
Wenn ich heute nach drei Gründen suche, warum ich dankbar bin, dann schreibe ich auf:
Danke für mein Heim, mein Zu Hause, in dem ich mich geborgen fühle.
Danke für das Klopfen des Regens an mein Fenster.
Danke für den Anruf meiner Freundin.
 
Danke Dir, Gott, für alles, was du gibst.
Amen